J.R.H.S. , 2026

Was passiert eigentlich, wenn der Träumer bei einer Illustration unzufrieden ist? So passiert bei der letzten KI-Illustration auf der Traumdatenbank 2.0. Weil ich den Prozess zwischen manueller und digitaler Bildwerdung interessant fand, möchte ich diesen hier kurz schildern:

Mit folgendem Prompt hatte ich die KI gefüttert, nachdem was ich von der Erzählung der Träumerin in Erinnerung behalten hatte. „Gestalte eine Traumillustration im Stile der www.Traumdatenbank.de : Darin gibt eine Theaterpädagogin etwas geknickt einen theaterpädagogischen Kurs mit 4 Teilnehmern. Hinter einer Glasscheibe steht der verstorbene Bruder der Theaterpädagogin. Er ist ein wenig kleiner und steht aufrecht, während er dem Kurs zuschaut.“

Daraufhin wurde die Erzählung mit folgenden Worten korrigiert und ich fertigte eine Tuschezeichnung danach an – auch weil mich der Bruder an den iranischen Dichter Fereydun Farrochsad erinnerte, der im Exil in Deutschland ermordet wurde:

„Ich sagte ja, dass ich mich wohlfühlte. Gleiche Augenhöhe. Vielleicht war Kursende.“

Eigentlich wäre es schön, wenn mit der Nutzung der Traumdatenbank eine positive Auseinandersetzung mit Traumerleben geschieht. Ich kann verstehen, dass dies hier leider nicht der Fall war… Um dies zu verstehen, hat mir Professor Reinhard Pietrowsky von der Universität Düsseldorf geholfen: In seiner Imagery Rehearsal Therapy (IC) geht es darum, einem nächtlichen Traum ein neues, gutes Ende zu geben. Dazu ruft man sich zum Beispiel einen Albtraum in Erinnerung und schreibt in der Fantasie das innere Drehbuch so um, das die angsteinflößenden Szenen entschärft werden. In diesem Falle habe ich es mit der KI-Illustration eher umgekehrt gemacht – daher folgte darauf die Tuschezeichnung.

D.L., 2013

„Dream 1 – from the Small Stories series“

Einer der Gründe, warum ich lieber in Schwarzweiß oder fast Schwarzweiß male, ist, dass Schatten und Dunkelheit im Bild die Gedanken dorthin lenken und träumen lassen. Farbe wirkt im Allgemeinen etwas zu real. Sie ist zu nah. Sie regt nicht zum Träumen an. Wenn alles sichtbar ist und zu viel Licht vorhanden ist, ist der Bildgegenstand das, was es ist, aber nicht mehr.

David Lynch

A.H., 1945

Aus dem Film „Spellbound“ (1945) mit Ingrid Bergmann.
Alfred Hitchcock hat hier mit Hilfe von Salvatore Dali einen Traum illustriert:

Ich konnte mir anfangs nicht darüber klar werden was für ein Ort es war. Es schien ein Spielcasino zu sein, aber es waren keine Wände da. Nur eine Menge Vorhänge auf denen Augen gemalt waren. Ein maskierter Mann ging mit einer großen Schere umher und schnitt alle Vorhänge entzwei. Da kann ein sehr leicht bekleidetes Mädchen, ging im Spielsaal herum und küsste jeden. Sie kam zuerst an meinen Tisch. Ich erkannte diesen küssenden Vamp erst nicht. Aber ich fürchte sie hatte mit Constanze Ähnlichkeit. Ich saß da und spielte Karten. Mit einem Mann mit einem Bart. Ich gab ihm Karten und legte Kreuz sieben auf. Er sagte: „Das macht 21. Ich gewinne!“, und deckte seine Karten auf. Sie waren leer. Da kam der Besitzer des Hauses herein und sagte: „Das ist mein Haus, wenn ich sie noch mal beim Betrügen erwische, dann lasse ich sie festnehmen.“

Plötzlich sah ich auf dem abschüssigen Dach eines hohen Gebäudes den Mann mit dem Bart. Ich schrie ihm zu, er solle aufpassen! Dann fiel er hinunter mit den Füßen nach oben.

Dann sah ich wieder den Besitzer. Den Mann mit der Maske. Er lugte hinter einem Schornstein hervor. Er hielt ein kleines Rad in der Hand. Ich sah, wie er das Rad auf das Dach fallen ließ. Plötzlich fing ich an zu laufen. Es war ein großes Flügelpaar. Die Flügel verfolgten mich an den Fuß eines Hügels.

Und das hat die K.I. „Firefly“ aus dem letzteren Teil des Traumes mit folgendem Promt gemacht: Einen Traum von Hitchcock von Dali illustriert im Stil der Traumdatenbank in schwarz-weiß.

25 Jahre – Ein Rückblick

25 Jahre Traumdatenbank und zugleich Einstellung des Projekts….

1998-2000

Relaunch 2002

2004 mit Tobias Düring als Webmaster

Ab 2014

Mit einem retrospektiven Video „Virtual Reality Museum“

Über ein viertel Jahrhundert Traumdatenbank und zugleich Einstellung des Projekts….

…. aber nur in der jetzigen Form. Weiter geht es 2025 mit einer Datenbank, in der ich Traum-(KI)-Illustrationen von euch sammele. Einzige Voraussetzung: Sie sollen in schwarz-weiß sein, damit das doppelt Vermittelte der Traumerinnerung sich darin verhält. Aber schickt mir einfach, was ihr habt! Notfalls setze ich einen entsprechenden Filter darauf:

J.H., 2024, K.I.

Unter den Büschen im Nachbarsgarten ist ein abgerundeter senkrechter Metallkasten versteckt. Dieser hat eine rechteckige schlanken hohe Form. Fast wie ein Mülleimer in einer Schule. Die Habseligkeiten eines lange verstorbenen Jungen liegen darin und schauen ein wenig heraus

M.B., 1946

Aus: Die Realität der Träume in den Bildern, Max Beckmann, Reclam, 1987, S.272

Mittwoch, 24. April 1946. Im Gespensterreigen ziehen nackte und halbbekleidete Figuren in mir vorüber und ich sehe ih­nen traurig nach und kann keine halten. Nichts ist zu hal­ten und alles zerfließt – mein „Ruhm“ – das Land – die Lieder, die Frauen und so Vieles. Nichts kann man halten. Wozu immer wieder diese lächerlichen Anstrengungen?

nach Max Beckmanns Traum

M.B., 1904

Aus: Die Realität der Träume in den Bildern, Max Beckmann, Reclam, 1987, „Tagebuchblätter 1903-04“

Ach schön ist doch dieser Abglanz aus der Heimat. Man fühlt sich wieder deutsch. Zwischen deutschen Komis und Handlungsreisenden erzittert unser Herz in den neuen, nie gekannten Gefühlen der Zugehörigkeit, des Heimatbewußtseins. Na also. Deutsch homo. Hurra, hurra, hurra. – Hoch über die Häuser weg ragen die Schneeberge und wundervoll verlieren sich die dunklen Tannenflecken in dem durch die Ferne verschleierten milden Weiß. Sie stehen da, so märchenhaft, so unmotiviert, als wenn große Riesen mit Schnee auf den Köpfen des Morgens an dem Bett eines verschlafen um sich sehenden Menschen stehen.

In Bellevue, 1/2 Stunde von Genf:

Vor mir wieder die weißen Berge. Ich bin so wunschlos, so wesenlos, so ohne irgendwelche Gedanken. Ich sonne mich bloß. Also ziehen wir wieder weiter. Schön und trostlos ist es.

Max Beckmann, um 1903 (1904?), Alptraum, Öl auf Leinwand

J.H., 2021

Jetzt liegen die Raunächte hinter uns. Vielleicht hattet ihr auch einen besonderen Traum in dieser Zeit? Schickt mir gerne euren Traum aus dieser besinnliche Zeit zwischen den Jahren. Wie es unterirdisch auch in „besonderen Zeiten“ brodeln kann, zeige ich euch mit dem folgenden Traum, den ich einen Tag vor Sylvester hatte.

Corinnas Kaserne
In einem Vergnügungsviertel tanzen solange Covidioten auf der Straße, bis ein Auto bedrohlich nah an sie heranfährt. Die Coronaparty löst sich daraufhin auf. Ist ein dem Traum-Ich bekannter Querdenker auch zurzeit auf der Partymeile? Mit den letzten versprengten Tänzern auf eine vorbeiziehende Demonstration treffen. Es sind Umweltaktivisten, die gegen den Klimawandel demonstrieren. Die Demonstranten kommen aber aus allen Teilen der Bevölkerung. Es ist zum Beispiel auch ein Schützenverein aber auch ganz andere Bevölkerungsschichten. Erstere Gruppe verliert zahlreiche dicke Golddublonen. Aber kaum einer müht sich diese aufzusammeln. Werden materielle Werte in dieser Zeit obsolet? Ein Querdenker scheint noch nicht dem neuen Zeitgeist erlegen zu sein und versucht noch etwas davon fortzuschleppen. Dann kommt der Demonstrationszug an eine riesige Halle, die aus einem porösen Y-Tong ähnlichen Material gebaut ist. Weil es zu regnen anfängt, beschließen die Führer der Demonstration dort einzukehren. Es gibt dort aber seltsame Kellerräume, wie das Traum-Ich feststellt. Dort sind Schlangen und gefährliche Wesen, die sich aber nichts daraus machen, dass sich in der Halle jetzt dauerhaft einrichten. Das Traum-Ich aber möchte den Keller von den Monstern reinigen, und will dafür eine Abenteuergruppe zusammenstellen. Erst melden sich aber nur jugendliche Kämpfer mit stumpfen Speeren. Als erfahrene Krieger würden sonst nur Querdenker helfen. Für dies Unternehmen bilden wir eine Art Laien-Kaserne. Draußen aber gibt es aber auch reguläres Militär. Beim Ausgang bekommen wir mit, wie sich Angehörige der berittenen Waffengattung ein ziviles Opfer suchen. Die Soldaten bedrohen dieses mit einer Pistole und zwingen es ein französisches Lied zu singen. Einer der Querdenker nimmt dem Kavalleristen geschickt die Waffe ab und nachdem dieser im Diskurs überzeugt wurde, den Zivilisten unbehelligt zu lassen, wird ihm die Pistole zurückgegeben.

Worauf kann man beim Aufschreiben von Träumen achten?

  • Legen sie einen Zettel, besser noch ein Heft oder Buch und einen Stift mit der Absicht neben Ihren Wecker ihre Traeume am kommenden Morgen aufzuschreiben.
  • Beginnen sie fünf Minuten vor dem Beginn des Tages mit den Überlegungen was sie nachts erlebt haben.
  • Fangen sie mit einem einzigen vorbewußten Begriff an – der Rest kommt womöglich von alleine !
  • Die runde Klammer()steht fuer die spontane Bedeutung, die sie einem Traumelement beimessen. Das koennen Gefuehle im Traum sein, aber auch Einfaelle welche erst beim aufschreiben kommen oder Gedanken, Fragen welche ueber der Traumhandlung stehen. 
  • Die eckige Klammer [ ] steht fuer eine vermutete Herkunft des Traumelements. Ein gedachter Gedanke am Vortag kann einen Traum ausloesen, aehnlich wie eine alte Erinnerung, ein bedeutsames Erlebnis mit Freunden. Besonders wichtig sind hier Namen und Worte; wenn eine Beziehung zur Vergangenheit erahnt wird, ist sie in eckige Klammern im Anschluss an diese zu schreiben. 
  • Wird sich im Traum mit einem bereits getraeumten Traum beschaeftigt, ist dies mit einem Pfeil nach Links anzudeuten <

Interview zur Motivation

Herr Helle, wie sind Sie auf die Idee gekommen Träume zu zeichnen?
Träume sind eine besondere Form der Erinnerung, der Traum selber ist nicht faßbar. Bewusst nehme ich Träume als Traumerinnerungen war. Traumerinnerungen sind nicht gleich dem erlebten Traum. Entscheidend ist, wie ich träume und wie ich mit den erinnerten Träumen umgehe. Träume kann ich z.B. schnell aufschreiben, Träume kann ich aber auch langsam aufschreiben, meinen Assoziationen freien Lauf lassen und meine Gefühle dazu vermerken. In dem Verhältnis zwischen den Assoziationen, die ich zu meinen Träumen habe und den Traumerinnerungen offenbart sich worum es wirklich geht. Hier sehe ich das Wesen des Traumes. Für mich können meine Traumzeichnungen dieses Verhältnis aufzeigen.

Sie zeichnen Ihre eigenen Träume, um sie zu deuten?
Ja, wenn ich mir Zeit dafür nehme. Dadurch kann ich mich differenzierter, komplexer wahrnehmen und Widersprüchlichkeiten in mir vereinigen.

Möchten Sie mit der Traumdatenbank ermöglichen, dass sich andere differenzierter wahrnehmen können?
Das wäre schön. Natürlich werden Traumerinnerung, Traumerlebnis und Bild nicht gleich sein und am Ende kommt es auf den Menschen an, ob er sich dadurch differenzierter wahrnehmen kann oder nicht. Wenn jemand einen Traum an die Traumdatenbank schickt, besteht die Möglichkeit das Traumerlebnis noch mal zu betrachten und auch durch das Bild, das ich zeichne kann der Traum erneut betrachtet werden.


Jendrik Helle wurde interviewt von Tobias Düring