H.F., 2025

Glücklicherweise muss das schwere Bündel der Beeren nur im Traum durch den Wald bis zum Markt getragen werden. Denn auf dem Marktplatz findet die Feier mit Pflanzenmusik, Tanz und Gesang statt. Die Angebote der Preiselbeere sind traumhaft preisgünstig geworden. Sie kosten nichts mehr. Denn die Menschen sind ein gut Teil kleiner, nicht nur physisch, sondern auch im Sinne einer Reduktion ihrer übersteigerten Machtansprüche untereinander.

Es gilt die Devise, von heut auf morgen muss das alte Zahlungssystem annulliert werden! Von einem Tag auf den anderen ist das alte Geld nichts mehr wert. Freigeld und Schwundgeld sind angesagt. Kein Zinseszins geht mehr, keine Milliardenmöglichkeit des Hortens gillt mehr. Auch die militärische Gewalt wird in Pepes Traum aufgelöst, indem Soldaten nicht mehr dem Krieg, sondern dem Bäumepflanzen verpflichtet sind. An die Stelle globaler Gier und monopolistischer Ausbeutung tritt eine regionale Ökonomie, die von den „kleineren Menschen“ getragen wird, ganz im Sinne von Gebrauchswirtschaft und Regionalismus. Ein Lichtblick und Hoffnungsschimmer aus lang vergessener Vergangenheit…

In Pepes Traum wird niemand weiter gelinkt oder ausgebeutet… der Garten der Lüste ist hier tatsächlich zum Großen Garten der Naturallianzen geworden, in dem Arbeit wieder Freude bringt und das Gärtnern als Hauptberuf gilt. Säen, Ernten, Feste feiern. Die Menschen, klein wie Ameisen, sind gesund, kräftig und geistig erneuert und finden zurück zu matriarchalen Strukturen. Im Frühjahr liebt man sich auf den Feldern, wie in alten Zeiten, womit die alten Fruchtbarkeitsrituale wieder zum Tragen kommen. Potenziale der Sexualität als Quelle sozialer und geistiger Balance. Bei der patriarchalen Aggression wird deutlich: Sie ist nicht natürlich.

J.A.H.S. , 2000 / 26

Karo 2: Im Traum sehe ich in die glitzernden Bernsteinaugen der gleichnamige Schwester einer Ex-Freundin von mir. Das Traum-Ich fragt sich, warum es diese Trennung damals erfahren musste. Und dann ist da der Bezug zu der Ex-Freundin eines ehemaligen Mitbewohners: Karo. Schon einmal wurde ein Traum von ihr illustriert. Dieses (farbige) Traumbild hing lange Zeit an unserem WG-Mülleimer. Es war an einem umfunktionierten Pappkarton geklebt. Unsere Mitbewohnerin Tatjana hatte dieses Sinnbild für Traum-Entsorgung eines Tages weggeworfen. Darüber war zu mindestens ich sehr traurig. Dieser Verlust erinnerte mich an die traurige Erfahrung meines Großvaters, der als Kind seine Mutter Karolin Hebestreit verlor. Sie war künstlerisch gebildet gewesen und mein Großvater – zeitlebens zwischen Bindung und der stolzen Unabhängigkeit ringend- schlug in Berlin kurz die Karriere eines Males ein.

Wovon wohl mein Freund von seiner Karo geträumt hatte? Der Traum spiegelt jedenfalls unsere Verbundenheit in Bezug auf unsere Beziehung zu Frauen wider. Deswegen bin ich wohl auch so an der Familiengeschichte seiner Frau interessiert. Die beiden bewohnen das Haus ihres Vaters und in einer windigen Nacht sah ich die etwas unheimliche Pappel, die sich dort wogend an das alte Gemäuer schmiegt.

J.R.H.S. , 2026

Was passiert eigentlich, wenn der Träumer bei einer Illustration unzufrieden ist? So passiert bei der letzten KI-Illustration auf der Traumdatenbank 2.0. Weil ich den Prozess zwischen manueller und digitaler Bildwerdung interessant fand, möchte ich diesen hier kurz schildern:

Mit folgendem Prompt hatte ich die KI gefüttert, nachdem was ich von der Erzählung der Träumerin in Erinnerung behalten hatte. „Gestalte eine Traumillustration im Stile der www.Traumdatenbank.de : Darin gibt eine Theaterpädagogin etwas geknickt einen theaterpädagogischen Kurs mit 4 Teilnehmern. Hinter einer Glasscheibe steht der verstorbene Bruder der Theaterpädagogin. Er ist ein wenig kleiner und steht aufrecht, während er dem Kurs zuschaut.“

Daraufhin wurde die Erzählung mit folgenden Worten korrigiert und ich fertigte eine Tuschezeichnung danach an – auch weil mich der Bruder an den iranischen Dichter Fereydun Farrochsad erinnerte, der im Exil in Deutschland ermordet wurde:

„Ich sagte ja, dass ich mich wohlfühlte. Gleiche Augenhöhe. Vielleicht war Kursende.“

Eigentlich wäre es schön, wenn mit der Nutzung der Traumdatenbank eine positive Auseinandersetzung mit Traumerleben geschieht. Ich kann verstehen, dass dies hier leider nicht der Fall war… Um dies zu verstehen, hat mir Professor Reinhard Pietrowsky von der Universität Düsseldorf geholfen: In seiner Imagery Rehearsal Therapy (IC) geht es darum, einem nächtlichen Traum ein neues, gutes Ende zu geben. Dazu ruft man sich zum Beispiel einen Albtraum in Erinnerung und schreibt in der Fantasie das innere Drehbuch so um, das die angsteinflößenden Szenen entschärft werden. In diesem Falle habe ich es mit der KI-Illustration eher umgekehrt gemacht – daher folgte darauf die Tuschezeichnung.

J.H., 2026

Im Traum durch Harburg-Heimfeld gehen. Das Traum-Ich sucht eine Off-Galerie, in der es ausstellen möchte. Dabei kommt es bei einer sehr professionellen Galerie vorbei. Der dort ausgestellte Künstler hat eine beeindruckende Installation im Schaufenster. Wie in einem Zen-Garten ist dort alles durchdacht und gepflegt. Nach einer Runde um die S-Bahn-Haltestelle bei der St. Pauluskirche rauskommen. Voller Bestürzung über den Verfall des Viertels, bemerkt das Traum -Ich, dass die Kirche abgebrannt ist. Der Kirchturm fehlt nun komplett! Stattdessen wurde im Turmschaft eine geheime Wohnung von muslimischen Heimfeldern eingerichtet. Das Traum-Ich findet zum einen den Anbau eines Minaretts gut, zum anderen wäre es auch eine passende Aufgabe für einen Schülerwettbewerb: Hier könnte ein neues muslimisches Veranstaltungszentrum geplant werden. Um Letzteres in die Wege zu bringen, klingelt das Traum-Ich oben in dem geheimen Stockwerk. Dort hofft es, den jungen Mahmut zu dem Projekt befragen zu können. Doch da gerade Ramadan ist (?), darf das Traum-Ich als Christ – auch auf Nachfragen bei einem Geistlichen hin – leider nicht in die Wohnung hinein.

F.H.B., 2025

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Die Schule der Zeit-Zeichner

Ich war viel jünger. Deine Mutter wartete im Auto am Bahnhof auf mich. Ich musste raten, wer sie war. Sie fuhr mich zum Haus deiner Cousine, wo ich dich treffen würde. Dort waren viele Leute, die alle zeichneten. Ich machte ein paar Selbstporträts, die gar nicht schlecht waren, und wollte sie mit Fixiermittel besprühen, aber ich konnte es nicht finden. Meine Zeichnungen waren gut und ich wollte sie aufbewahren. Es war so laut und unruhig, dass ich dich nicht finden konnte. Aber schließlich hatten wir eine schöne Zeit zusammen.
Dann ging ich am See spazieren, die Zeichnungen in der Hand und C. an meiner Seite. Ich war wahrscheinlich nicht mehr so jung wie zu Beginn des Traums, denn C. war so alt wie heute.
Es gibt viele diffuse Details, die ich jetzt nicht zusammenfügen kann, aber vielleicht kommen mir im Laufe des Tages einige Hinweise.
Obwohl ich dich nur kurz gesehen habe, war deine Präsenz in meinen Träumen stark und die gesamte Umgebung stand in Verbindung mit dir.

I was much younger. Your mother was waiting for me in the car, at the train station. I had to guess who she was. She would drive me to your cousin’s house where I would meet you. There was many people there, all were drawing. I did some self portraits that weren’t bad at all and I wanted to spray fixative on them but I couldn’t find it. My drawings were good and I wanted to have them save. There was so much noise and movement and I couldn’t find you. But we eventually had a good moment together.
Then I was walking by the lake, drawings in my hand and C. at my side. I was probably not as young as in the beginning of the dream as C. was as old as he is now.
There are many diffuse details that I can’t put together now but maybe some hints will come during the day.
Although I just saw you shortly, your presence in my dreams was strong and the whole environment was related to you.

D.L., 2013

„Dream 1 – from the Small Stories series“

Einer der Gründe, warum ich lieber in Schwarzweiß oder fast Schwarzweiß male, ist, dass Schatten und Dunkelheit im Bild die Gedanken dorthin lenken und träumen lassen. Farbe wirkt im Allgemeinen etwas zu real. Sie ist zu nah. Sie regt nicht zum Träumen an. Wenn alles sichtbar ist und zu viel Licht vorhanden ist, ist der Bildgegenstand das, was es ist, aber nicht mehr.

David Lynch

B.R., 2025

Nach einem Fantasy-Rollenspiel gehen zwei Geschwister nach Hause. Doch als die Jüngere hoch in das Zimmer des Älteren kommt, ist dieser zu Boden gegangen, ohne das Abenteuer geschafft zu haben. Die jüngere Schwester ist traurig und geschockt den Jungen so zu sehen. Sie betet, dass ihr Vater sie beim nächsten Mal vor schwierigen Abenteuern warnt.

After a fantasy role-playing game, two siblings go home. But when the younger one comes up to the older one’s room, he has fallen to the floor without having completed the adventure. The younger sister is sad and shocked to see the boy like this. She prays that her father will warn her about difficult adventures next time.

S.H., 2025

Ich gehe auf die Toilette und gerate plötzlich in einen Rauschzustand. Dort belausche ich heimlich ein Mädchen, mit dem ich in einer Art Konkurrenzverhältnis um den Protagonisten stehe. Sie redet schlecht über ihn.

Ich will die Toilette verlassen und spülen, doch das Wasser spritzt auf meine Jacke. Ich möchte es sauber machen, bin aber zu berauscht und überfordert. Plötzlich greift das Mädchen von unten in meine Kabine und fragt aggressiv, was los sei. Sie hämmert gegen die Tür, und ihre Bedrohung auf mich wächst.

Zunächst hält mich das Klopfen in der Realität, doch ich verliere immer mehr das Bewusstsein. In diesem schrecklichen Schlafzustand drohe ich zu versinken. Es fühlt sich befreiend an, doch ich will es nicht.