J.A.H.S. , 2000 / 26

Karo 2: Im Traum sehe ich in die glitzernden Bernsteinaugen der gleichnamige Schwester einer Ex-Freundin von mir. Das Traum-Ich fragt sich, warum es diese Trennung damals erfahren musste. Und dann ist da der Bezug zu der Ex-Freundin eines ehemaligen Mitbewohners: Karo. Schon einmal wurde ein Traum von ihr illustriert. Dieses (farbige) Traumbild hing lange Zeit an unserem WG-Mülleimer. Es war an einem umfunktionierten Pappkarton geklebt. Unsere Mitbewohnerin Tatjana hatte dieses Sinnbild für Traum-Entsorgung eines Tages weggeworfen. Darüber war zu mindestens ich sehr traurig. Dieser Verlust erinnerte mich an die traurige Erfahrung meines Großvaters, der als Kind seine Mutter Karolin Hebestreit verlor. Sie war künstlerisch gebildet gewesen und mein Großvater – zeitlebens zwischen Bindung und der stolzen Unabhängigkeit ringend- schlug in Berlin kurz die Karriere eines Males ein.

Wovon wohl mein Freund von seiner Karo geträumt hatte? Der Traum spiegelt jedenfalls unsere Verbundenheit in Bezug auf unsere Beziehung zu Frauen wider. Deswegen bin ich wohl auch so an der Familiengeschichte seiner Frau interessiert. Die beiden bewohnen das Haus ihres Vaters und in einer windigen Nacht sah ich die etwas unheimliche Pappel, die sich dort wogend an das alte Gemäuer schmiegt.

J.R.H.S. , 2026

Was passiert eigentlich, wenn der Träumer bei einer Illustration unzufrieden ist? So passiert bei der letzten KI-Illustration auf der Traumdatenbank 2.0. Weil ich den Prozess zwischen manueller und digitaler Bildwerdung interessant fand, möchte ich diesen hier kurz schildern:

Mit folgendem Prompt hatte ich die KI gefüttert, nachdem was ich von der Erzählung der Träumerin in Erinnerung behalten hatte. „Gestalte eine Traumillustration im Stile der www.Traumdatenbank.de : Darin gibt eine Theaterpädagogin etwas geknickt einen theaterpädagogischen Kurs mit 4 Teilnehmern. Hinter einer Glasscheibe steht der verstorbene Bruder der Theaterpädagogin. Er ist ein wenig kleiner und steht aufrecht, während er dem Kurs zuschaut.“

Daraufhin wurde die Erzählung mit folgenden Worten korrigiert und ich fertigte eine Tuschezeichnung danach an – auch weil mich der Bruder an den iranischen Dichter Fereydun Farrochsad erinnerte, der im Exil in Deutschland ermordet wurde:

„Ich sagte ja, dass ich mich wohlfühlte. Gleiche Augenhöhe. Vielleicht war Kursende.“

Eigentlich wäre es schön, wenn mit der Nutzung der Traumdatenbank eine positive Auseinandersetzung mit Traumerleben geschieht. Ich kann verstehen, dass dies hier leider nicht der Fall war… Um dies zu verstehen, hat mir Professor Reinhard Pietrowsky von der Universität Düsseldorf geholfen: In seiner Imagery Rehearsal Therapy (IC) geht es darum, einem nächtlichen Traum ein neues, gutes Ende zu geben. Dazu ruft man sich zum Beispiel einen Albtraum in Erinnerung und schreibt in der Fantasie das innere Drehbuch so um, das die angsteinflößenden Szenen entschärft werden. In diesem Falle habe ich es mit der KI-Illustration eher umgekehrt gemacht – daher folgte darauf die Tuschezeichnung.

J.H., 2026

Im Traum durch Harburg-Heimfeld gehen. Das Traum-Ich sucht eine Off-Galerie, in der es ausstellen möchte. Dabei kommt es bei einer sehr professionellen Galerie vorbei. Der dort ausgestellte Künstler hat eine beeindruckende Installation im Schaufenster. Wie in einem Zen-Garten ist dort alles durchdacht und gepflegt. Nach einer Runde um die S-Bahn-Haltestelle bei der St. Pauluskirche rauskommen. Voller Bestürzung über den Verfall des Viertels, bemerkt das Traum -Ich, dass die Kirche abgebrannt ist. Der Kirchturm fehlt nun komplett! Stattdessen wurde im Turmschaft eine geheime Wohnung von muslimischen Heimfeldern eingerichtet. Das Traum-Ich findet zum einen den Anbau eines Minaretts gut, zum anderen wäre es auch eine passende Aufgabe für einen Schülerwettbewerb: Hier könnte ein neues muslimisches Veranstaltungszentrum geplant werden. Um Letzteres in die Wege zu bringen, klingelt das Traum-Ich oben in dem geheimen Stockwerk. Dort hofft es, den jungen Mahmut zu dem Projekt befragen zu können. Doch da gerade Ramadan ist (?), darf das Traum-Ich als Christ – auch auf Nachfragen bei einem Geistlichen hin – leider nicht in die Wohnung hinein.