J.D.V. 1988 – 2014

English version: see below

Zwei Jahrzehnte lang litt ich unter einem schrecklichen, immer wiederkehrenden Alptraum. […] In diesem Traum bin ich in einem riesigen Saal in einem großen Baumhaus gefangen – als hätten die Keebler-Elfen gerade ein gigantisches Picknick beendet und ihr Baumhaus stünde noch immer voller Tische und Stühle. Ich bin mit Lindsay und Mamaw allein, als plötzlich Mom durch den Saal stürzt und dabei Tische und Stühle umwirft. Sie schreit, aber ihre Stimme ist roboterhaft und verzerrt, als würde sie durch ein rauschendes Radio gefiltert. Marnaw und Lindsay laufen, so schnell sie können, zu einem Loch im Boden wo offenbar die Leiter ist, die aus dem Baumhaus fuhrt. Ich bin zu langsam, und als ich die Luke erreiche, ist Mom direkt hinter mir. Als sie mich gerade packen will, als ich verstehe, dass mich das Monster erwischt hat, aber auch, dass mich Mamaw und Lindsay im Stich gelassen haben, wache ich auf.

Mein Unterbewusstsein hatte mich jahrelang verschont, bis der Traum eines Tages, kurz nach dem Abschluss des Jurastudiums, wie aus dem Nichts wiederkehrte. Doch es gab eine entscheidende Veränderung: Der Zorn des Monsters richtete sich nicht gegen mich, sondern gegen meinen Hund Casper, den ich an jenem Abend ausgeschimpft hatte. Weder Lindsay noch Mamaw waren da. Und ich war das Monster.

Ich jagte meinen Hund durch das Baumhaus, um ihn zu erwischen und zu erwürgen. (aus dem Buch „Hillbilly Elegie“ von J.D. Vance, 2026 Vizepräsident der U.S.A)

English:

For two decades, I suffered from a terrible, recurring nightmare. […] In this dream, I’m trapped in a huge hall inside a large treehouse—as if the Keebler Elves had just finished a gigantic picnic and their treehouse were still full of tables and chairs. I’m alone with Lindsay and Mamaw when suddenly Mom storms through the hall, knocking over tables and chairs. She’s screaming, but her voice is robotic and distorted, as if filtered through a crackling radio. Mamaw and Lindsay run as fast as they can toward a hole in the floor where the ladder leading out of the treehouse apparently is. I’m too slow, and by the time I reach the hatch, Mom is right behind me. Just as she’s about to grab me—just as I realize that the monster has caught me, but also that Mamaw and Lindsay have abandoned me—I wake up.

My subconscious had spared me for years, until one day, shortly after I graduated from law school, the dream returned out of nowhere. But there was one crucial change: the monster’s rage wasn’t directed at me, but at my dog Casper, whom I’d scolded that evening. Neither Lindsay nor Mamaw were there. And I was the monster.

I chased my dog through the treehouse, trying to catch him and strangle him.

F.M., 2026

Ein Freund von mir hatte vor einigen Wochen einen Traum, indem der gleiche Politiker geschrumpft wurde. Das Traum-Ich fragte sich nun, ob er und andere verbrecherische Politiker einfach zertrampelt werden sollen und die Welt damit von ihnen zu befreien. Doch er hält inne und zahlt ihnen nicht in dem gleichen Maße aus, wie sie ausgeteilt haben.

Hans, 2000

Auf der Hinterseite des Düsseldorfer Bahnhofs, an der eine lange Straße mit Parkplätzen und einigen Beeten und Wegen entlang führte, war das Haus des Hundefängers. In der Tat war die Notwendigkeit dieses Ortes unübersehbar, da überall tobende Tiere einherliefen und einen ziemlichen Wirbel veranstalteten. Da es sich aber wirklich um das Haus des Hundefäfngers handelte, wurde mir erst klar, als ich mich an die grobgezimmerten Biertische, die seltsamerweise davorstanden, zu einigen Leuten setzte und die Szenerie eine Weile beobachtete. Tatsächlich befand sich in der staubigen Hauswand, die mit Gittern vor eingelassenem grauen Fenster eher an ein verwaistes Kiosk erinnerte, ein niedrig gelegenes Loch, in das gefangene Hunde eingelassen wurden.
Ich unterhielt mich einige Zeit mit einem Herren, der mir gegenüber und den Rücken der Straße zugekehrt saß und die besondere Ästhetik jener Lokalität geradewegs zu genießen schien. Wie ich mich nach kurzem Blick auf die Straße, wo gerade einem zappelndem schwarzen Hund die Fang- schlinge um den Hals gelegt wurde, erneut meinem Tischnachbarn zuwandte, erkannte ich doch die Gestalt *Reinhard Meys* in dieser mir gerade noch absolut fremden Person!
Diese Erkenntnis aber für mich behaltend – ich wollte Peinlichkeiten vermeiden und ihn in der Sicherheit belassen, da ich ihn nicht erkenne – hörte ich ihm weiter zu. Er erzählte, was mich überraschte, von seiner Tätigkeit hier, doch während ich mich noch wunderte, entfremdete sich der Ausdruck auf dem eben erst wiedererkannten Gesicht und wurde zu dem eines jener typischen geschnuzten, dreitagebebarteten Schwulen mit kurzem Stoppelhaarschnitt und Lederkappe (wie man sie aus Filmen kennt), der zwischendurch immer wieder einen Gruß oder ein Zwinkern in Richtung seiner „Kollegen“ an den Nachbartischen sandte. Diese entsprachen nun, ohne da ich die Verwandlung bemerkt hätte, ebenfalls jenem Bild, welches mir bereits im direkten Gegenüber erschienen und leibhaftig geworden war.
Fühlte ich mich insgesamt auch ob der schmuddeligen Großstadtgegend unwohl, so war ich jetzt doch ein wenig erschrocken und verwirrt. Angst aber – verspürte ich nicht.