J.H., 2026

Träume davon bei einer Nachbarin zu Gast zu sein. Mein Bruder und meine Schwester schmiegen sich von der einen Seite und das Traum-Ich von der anderen Seite an sie an.

Abgesehen von den vielschichtigen Bedeutungsebenen, die mit Namen, Situation, Assoziation meiner realen Nachbarin Rita einhergehen, fand ich den Prozess der Bildwerdung interessant.

Als ich den Traum mitsamt einer Skizze der KI zur Bearbeitung gebe, zensiert diese alle Details, die an eine Revue aus der Vogelperspektive erinnern könnten. Es scheint so, als wenn die Inszenierung von nackten Körpern bei der KI nur in gesellschaftlich akzeptabler Nähe erlaubt ist. So verwandelt die KI das Traum-Ich in ein Kleinkind in der Seitenansicht, das im Begriff ist, gleich gesäugt zu werden. Doch dadurch, dass die Körper in Bademoden nun nicht mehr auf dem Boden liegend und ineinander gekuschelt dargestellt werden, verliert die Pose meines Bruders ihre zärtliche Biegsamkeit.

Ich tuschte in schwarz auf den Ausdruck der KI generierten Datei einen „Sitz im Leben“, bei dem die Last des Beziehungsgeflechts auf ihm liegt.

Man könnte an dem Prozess erkennen – wenn man denn so viel hineininterpretieren möchte – dass die KI psychosozial so auf uns wirkt, dass sie Leben ermöglicht, aber leider zu Lasten der Schwächsten. Wenn wir in der Welt der KI nicht in uns hineinhorchen und unsere Konstruktionen vom Leben danach anpassen, so geht die Schere zwischen Verlierern und Gewinnern immer weiter auseinander.