K.W. , 2019

Ich gehe aus dem Haus.  Eine Allee entlang.  Alles ist schwarz weiß.  Niemand sonst ist auf der Strasse, obwohl es Tag ist. Ich höre Kinderlachen ganz nah, aber sehe sie nicht.
Das Geräusch eines hüpfendes Balls ist zu hören. Die Kinderstimmen sind weg. Es ist wieder totenstill, bis auf das Geräusch des hüpfenden Balls.
Wind fährt durch die kahlen Äste  der Bäume und das Geräusch des Balls wird lauter.
Plötzlich sehe ich ihn. Knallrot rollt er hüpfend über die Strasse.
Kein Kind weit und breit. Ich bin alleine.  Der Ball leuchtet hell.

Petra, 1999

Zur Erklärung: Früher war ich mal schlank , heute nach der Geburt
unserer Kinder habe ich meine Figur verloren.
Der Traum: Mein Mann steigt aus einem Flugzeug. Ein Engel zeigt ihm
zwei Frauen die genausuo wie ich aussehen, nur einmal schlank und
einmal mollig. Er sagt zu ihm er solle wählen.
Er wählte die schlanke Frau. Darauf meinte der Himmelsbote,
als Strafe für seine Wahl hat er zwar jetzt eine schlanke Frau die sich aber an alles Vergangene nicht erinnern kann.
Ich war beim Aufwachen sehr traurig.

C.W. 1999

Ich befinde mich aus jedwedem Traumszenario hinaus plötzlich auf einem Wegabschnitt, der von Gleisen gekreuzt wird. Ich muß über diese Gleise gehen, um meinen Weg weitergehen zu können, versuche die Überquerung auch in jedem Traum, bleibe aber wie magnetisiert auf einem der Gleise kleben, auf dem dann auch prompt ein Zug angerast kommt. Während ich mich verzweifelt winde und zappele, kommt der Zug immer näher. Doch ein Bruchteil einer Sekunde vor dem Aufprall kann ich mich mit einer Art Quantensprung auf die andere Seite des Gleises retten. Seltener werde ich auch überfahren, bin aber dann nicht tot, sondern plötzlich Teil des Zuges.
Manchmal ist es nur ein Gleis, das ich in dem jeweiligen Traum dann sehr oft überqueren werde oder es ist ein ganzes Gleisfeld, das ich überqueren muß. Ein Zug aber kommt immer.

Worauf kann man beim Aufschreiben von Träumen achten?

  • Legen sie einen Zettel, besser noch ein Heft oder Buch und einen Stift mit der Absicht neben Ihren Wecker ihre Traeume am kommenden Morgen aufzuschreiben.
  • Beginnen sie fünf Minuten vor dem Beginn des Tages mit den Überlegungen was sie nachts erlebt haben.
  • Fangen sie mit einem einzigen vorbewußten Begriff an – der Rest kommt womöglich von alleine !
  • Die runde Klammer()steht fuer die spontane Bedeutung, die sie einem Traumelement beimessen. Das koennen Gefuehle im Traum sein, aber auch Einfaelle welche erst beim aufschreiben kommen oder Gedanken, Fragen welche ueber der Traumhandlung stehen. 
  • Die eckige Klammer [ ] steht fuer eine vermutete Herkunft des Traumelements. Ein gedachter Gedanke am Vortag kann einen Traum ausloesen, aehnlich wie eine alte Erinnerung, ein bedeutsames Erlebnis mit Freunden. Besonders wichtig sind hier Namen und Worte; wenn eine Beziehung zur Vergangenheit erahnt wird, ist sie in eckige Klammern im Anschluss an diese zu schreiben. 
  • Wird sich im Traum mit einem bereits getraeumten Traum beschaeftigt, ist dies mit einem Pfeil nach Links anzudeuten <

A.d.A. 2019

Ich bin noch ein kleines Kind, ca sechs Jahre alt. Wir sind auf dem Land, so etwas wie eine Farm im Nirgendwo. Meine Familie, Mom, Dad und Schwester (ca. acht Jahre) fallen in einen alten Steinbrunnen. Ich versuche hinterher zu springen, werde aber wie von einer unsichtbaren Kraft daran gehindert. Je stärker ich es versuchen, desto stärker werde ich zurück gehalten.

K.W. 2019

Ich schaue aus dem Fenster. Sehe vergangene Grausamkeiten. Sarah kniet auf der Strasse und wird in den Hinterkopf geschossen. Als der Schuss sie trifft wird sie eine goldene Statue.  Jemand kommt und sammelt die Statue auf und tut sie in einen Sack. Es passieren noch andere Grausamkeiten. Ich sehe sie wie in den Nachrichten.  Sie reihen sich wie Filmsequenzen aneinander. Jedes Ereignis erstarrt am Ende zu einer goldenen Statue und wird eingesammelt. Irgendwann liegt der Sack auf dem Boden.  Er sieht aus wie der Sack aus dem Märchen ‚Tischlein deck dich‘. Plötzlich kommen Dollarscheine. Sie gehen aufrecht. Haben Arme und Beine. Sie schwingen Knüppel und schlagen auf den Sack.

C.S. 2010

Welcher Frieden mochte wohl darin liegen, mit einem Elefanten in einem Umschlag zu reisen? Von Kinderhänden durch die Welt getragen. Plötzlich kamen mir all die Tage verloren vor, an denen ich es für unwahrscheinlich gehalten hatte, dass ein Elefant in einen Briefumschlag passt.

Interview zur Motivation

Herr Helle, wie sind Sie auf die Idee gekommen Träume zu zeichnen?
Träume sind eine besondere Form der Erinnerung, der Traum selber ist nicht faßbar. Bewusst nehme ich Träume als Traumerinnerungen war. Traumerinnerungen sind nicht gleich dem erlebten Traum. Entscheidend ist, wie ich träume und wie ich mit den erinnerten Träumen umgehe. Träume kann ich z.B. schnell aufschreiben, Träume kann ich aber auch langsam aufschreiben, meinen Assoziationen freien Lauf lassen und meine Gefühle dazu vermerken. In dem Verhältnis zwischen den Assoziationen, die ich zu meinen Träumen habe und den Traumerinnerungen offenbart sich worum es wirklich geht. Hier sehe ich das Wesen des Traumes. Für mich können meine Traumzeichnungen dieses Verhältnis aufzeigen.

Sie zeichnen Ihre eigenen Träume, um sie zu deuten?
Ja, wenn ich mir Zeit dafür nehme. Dadurch kann ich mich differenzierter, komplexer wahrnehmen und Widersprüchlichkeiten in mir vereinigen.

Möchten Sie mit der Traumdatenbank ermöglichen, dass sich andere differenzierter wahrnehmen können?
Das wäre schön. Natürlich werden Traumerinnerung, Traumerlebnis und Bild nicht gleich sein und am Ende kommt es auf den Menschen an, ob er sich dadurch differenzierter wahrnehmen kann oder nicht. Wenn jemand einen Traum an die Traumdatenbank schickt, besteht die Möglichkeit das Traumerlebnis noch mal zu betrachten und auch durch das Bild, das ich zeichne kann der Traum erneut betrachtet werden.


Jendrik Helle wurde interviewt von Tobias Düring